El Salvador, das sechste Land auf unserer Reise

21.1. – 31.1.26

El Salvador, vor ein paar Jahren noch eines der gefährlichsten Länder der Welt. Seit 2022 wurde unter dem Präsidenten Bukele der Ausnahmezustand eingeführt, was zu massiven (teils wohl auch willkürlichen) Verhaftungen unter den Banden geführt hat. Nun ist es wohl das Land mit der niedrigsten Mordrate in Lateinamerika. Wir sind auf jeden Fall gespannt auf das kleine Land. „Hessen mit Tropenklima, Vulkanen und Pazifikstrand“ sagt der Reiseführer. 😉

An der Grenze läuft alles glatt. Clemens, mittlerweile „Profi“, darf dieses Mal sogar alles allein erledigen. Lina kann im Auto bleiben und Sabine zur Betreuung ebenfalls. Absolutes Novum für uns! Also wie immer erstmal TIP stornieren, dann Ausreisestempel holen, dann über die Grenze fahren und im nächsten Land Einreisestempel holen dann zur Aduana und neuen TIP für Rocky besorgen.

Als erstes steuern wir die Termales de Santa Teresa an. Lina genießt das warme Wasser!

Hier im Norden von El Salvador gibt es die „Ruta de las Flores“, eine Straße durch schöne Landschaft. Das gucken wir uns mal näher an.

So landen wir in Concepcion de Ataco. An der Stadtverwaltung bekommen wir Trinkwasser, das erste Mal seit wir nach México eingereist sind tanken wir wieder aus einem Wasserhahn und nicht von einer Purificada. Dann eine Runde durch die Stadt, einkaufen und noch den Hunger stillen.

In der Markthalle gibt es vor allem frische Sachen und hier kaufen auch die Einheimischen ein. Immer ein gutes Zeichen!

Wie die Frauen das mit dem Gleichgewicht hinkriegen ist uns ein völliges Rätsel.

Schöne bunte Häuserfassaden

und lecker Essen im Schatten. Satt und zufrieden fahren wir noch bis Apaneca und übernachten auf dem Parkplatz eines Restaurants mit angeschlossenem kleinem Freizeitpark.

Weiter auf der Ruta de las Flores an Vulkanen vorbei,

fahren wir zum Parque Natural Cerro Verde.

Zwischendurch überholen wir die Fahrzeuge des ÖVNP. Hier etwas anders als gewohnt.

Dann wieder schöne erstaunlich grüne Landschaft und die ersten Blicke auf den 1950m hohen Izalco.

Vorbei am riesigen Kratersee Coatepeque.

Im Park angekommen fragen wir den Ranger gleich nach einer Tour und ob wir hier übernachten dürfen. Und klar, um 1500 Uhr startet eine kurze geführte Tour am Eingang und natürlich dürfen wir hier auch über Nacht stehen. Nun besorgt Clemens noch schnell Pupusas.

„Die müsst ihr unbedingt probieren, ist das Nationalgericht in El Salvador und am besten vom Staßenstand“ haben wir per WhatsApp den Tipp von Diana, einer Reisebekannten aus der Schweiz, bekommen.

Pupusas sind übrigens dicke, handgemachte Maisfladen (ähnlich wie Tortillas), die gefüllt und dann auf einer heißen Platte gebraten werden. Gefüllt werden sie mit Käse, Frijoles refritos (Bohnenmus) und Chicharrón (Schweinefleisch fein zerkleinert) 😋

Sabine isst auf dem Weg zum Treffpunkt, Lina uns Clemens setzen sich gemütlich (in der Höhe von knapp 2000m ist es auch wieder angenehm kühl) in Rocky und genießen den Snack.

Zum Sonnenuntergang gehen wir nun gemeinsam auf die Westseite und gucken der schönen Vorstellung, wie die Sonne in den Wolken untergeht, zu.

Izalco, Wolken, Sonne v.r.n.l.

Die Ranger hier sind phantasievoll, wenn es um den Schnitt der Büsche geht. Einige „Kunstwerke“ lassen sich sogar besteigen.

Zum Abschied heute noch ein Blick zurück auf den Izalco, Cerro Verde und Santa Ana.

Nach so vielen Vulkanen zieht es uns an den Pazifik. Wir finden bei Mizata einen sehr rustikalen Campingplatz direkt am Strand. Hier werden mal wieder alle Klischees bedient. Einsamer Strand, Stellplatz unter Palmen, warmer Ozean und Clemens knotet die Hängematte zwischen zwei Palmen, bleibt aber nicht lange allein. Ach ja, die Dusche hier auf dem Platz besteht aus einem Bottich mit Wasser und einem kleinen Eimer zum Schöpfen. 💪

Natürlich darf der Sonnenuntergang (wir sind an der Westküste) nicht fehlen. 😀

Hier ist es schön, hier bleiben wir noch länger. Baden gehen und entspannen ist heute angesagt. Für Lina sind die Wellen und die Strömung doch zu heftig, sie fühlt sich im Wasser nicht so richtig wohl.

Gestern Abend noch ein Standspaziergang mit Sundowner,

und heute Morgen ein Ausritt am Pazifik.

Dann verlassen wir etwas traurig den Platz. Wir waren übrigens nicht die einzigen hier. Gleich neben uns Campingzelt ein Paar aus Canada ganz ohne Auto und Zelt, nur Hängematte und Surfboard muss reichen. Mir wäre das etwas zu wenig Privatsphäre, aber jeder so wie es beliebt.

Wie ziehen mit unserem rollenden Haus, was irgendwie zum „Zuhause“ geworden ist, weiter. In La Libertad kaufen wir noch ein. Äh, hatte ich schon erwähnt, dass El Salvador den US$ als Währung hat? Nun ja, offizielles Zahlungsmittel ist auch der „bitcoin“, aber dieses Schild über der Supermarktkasse hat mich doch überrascht. Kannst du dir das in Deutschland vorstellen?

Abends kommen wir gerade noch so im Hellen in Comasagua an und haben die Terrasse am Stellplatz beim Sonnenuntergang ganz für uns. Den „El Peñón“ , im Hintergrund links, werden wir morgen besteigen.

Wir teilen uns wieder auf und heute darf Clemens mal zuerst losgehen. Der Weg ist teilweise steil aber der Ausblick lohnt die Anstrengung.

In der Ferne ist der knapp 1900 m hohe Vulkan San Salvador zu sehen.

Auf dem Stellplatz hat der Eigentümer viel Liebe und auch Phantasie in die Ausstattung gesteckt.

Nachdem wir beide den Peñón erklommen haben, geht‘s am nächsten Morgen ein Stück weiter nördlich nach Joya de Cerén. Das Dorf wurde 600 n. Chr. von Vulkanasche bedeckt. Anders als viele Maya-Stätten zeigt Joya de Cerén nicht Paläste oder Könige, sondern das Leben einfacher Bauern. Eine sehr gepflegte Anlage, in der viele Ausgrabungsstätten, unter riesigen Dächern vor dem Wetter geschützt, zu besichtigen sind.

Ein Modell im Museum der Anlage

Der Rundgang beginnt im Museum. Hier sind viele Haushaltsgegenstände gut erhalten und als ganze Stücke ausgestellt. Die Vulkanasche hat alles gut konserviert hinterlassen.

Die Wege sind ausnahmslos rolligerecht, so macht es Spaß unter den Dächern, geschützt von zu viel Sonne, durch das Dorf zu schlendern.

Nach so viel Maya-Geschichte fahren wir noch bis Suchitoto, parken an einem schönen kleinen Park.

Zum Abendessen suchen wir uns noch ein Restaurant, um gemütlich Pupusas zu genießen. Die Damen in der Küche haben nichts dagegen, dass Clemens sie bei der Arbeit filmt.

Der Abendspaziergang zur Verdauung fällt entsprechend länger aus…

Suchitoto gefällt uns gut, so wollen wir heute Vormittag nochmal ein wenig rumgucken. „Da ist gerade ein LKW voller Wasserkaraffen vorbeigefahren“ sagt Sabine und läuft hinterher. Tatsächlich kommen sie wegen uns nochmal zurück und wir können unseren Wassertank mit sauberem gefilterten Wasser füllen, und das direkt an der Straße. 👍

Dann schlendern wir doch noch durch den Ort,

gucken in der Markthalle den Imbissständen beim Braten zu,

und genießen den Ausblick aus dem wohltuenden Schatten heraus.

Nun aber los, wir wollen morgen über die Grenze nach Honduras und dafür wollen wir heute noch ein ganzes Stück bis kurz vor die Grenze fahren.

Schei… ein merkwürdiges Klappern in Motorraum und gefühlt gehen gleichzeitig alle Warnlampen, die Rocky so zu bieten hat, an. Motor aus, an einer wirklich bescheidenen Stelle in einer Kurve, und erstmal gucken. Wie schon in Canada ist uns der Keilrippenriemen weggeflogen. Hat sich einfach in viele kleine Einzelteile zerlegt. Wir bekommen die Nummer eines Abschleppdienstes heraus und rufen sie an. Weitere Kommunikation läuft über WhatsApp. Leider können sie uns nicht helfen, da sie nur im Bereich San Salvador tätig sind und nicht hier raus kommen. Die Empfehlung ist 911, den Notruf zu wählen. Das tun wir dann auch, erhalten zwischenzeitlich Unterstützung von zwei Einheimischen und warten auf die Polizei. Auch die Kommunikation wird nach dem ersten Anruf per WhatsApp weitergeführt. Als der Streifenwagen dann eintrifft, übernehmen die Polizisten alles Weitere und organisieren einen Abschleppwagen. Der erste, der kommt, ist leider zu klein um Rocky aufzuladen, beim zweiten passt Rocky drauf (leider ohne Fahrradträger, der wird kurzerhand auf den Polizei Pickup gehoben). Sabine erhält die Anweisung bei der Polizei mitzufahren, Lina und Clemens bleiben in Rocky.

Wir fahren zur Polizeiwache und Rocky wird auf dem Hof abgeladen.

Clemens fragt nach, wie es nun weiter geht und der Chef der Wache erklärt ganz selbstverständlich, „Morgen früh kommt ein Mechaniker hierher und kümmert sich um das Problem“. Wir bekommen noch das Angebot die Toiletten und die Duschen zu nutzen, und wenn wir brauchen auch Strom zu bekommen. Wir bedanken uns vielmals, bezahlen den Abschlepper und fallen totmüde ins Bett.

Heute Morgen steht tatsächlich ein Mechaniker vor dem Auto und beginnt sofort mit der Arbeit. Der Fehler ist schnell gefunden. Das Lager der Spannrolle ist ausgeschlagen und die Rolle hat den Riemen zerlegt. „Kommt mir irgendwie bekannt vor“ Clemens hat gleich ein Déjà-vu, „den gleichen Schei… hatten wir doch in Canada auch“😡. Die Rolle hat knapp 50.000 km gehalten, so wie die erste auch.

Der Mechaniker telefoniert ein wenig uns meint dann, „Die Rolle und den Riemen haben wir in 3 Stunden hier, dann komme ich wieder und baue es ein“. Damit verschwand er und ließ uns ungläubig zurück. „Woher will er, hier in dieser verlassenen Gegend kurz vor der Honduranischen Grenze, in 3 Stunden die Ersatzteile bekommen? Einfache Staubkappen für die Gelenkwellen haben in Hannover schon 3 Tage gebraucht“. Der Crafter wird in El Salvador nicht verkauft, aber der Motor ist der gleiche wie im Amarok, das hat der Mechaniker noch erwähnt bevor er verschwand.

Nach dreieinhalb Stunden steht er wieder auf dem Hof und hat tatsächlich einen Riemen und die Spannrolle in der Hand! Clemens fehlen einfach die Worte, wie hat er das gemacht??? Auf der Verpackung ist auf deutsch zu lesen:

Einfach unglaublich, woher und wie schnell er die Teile bekommen hat. Leider ist der Riemen zu kurz und er muss einen neuen besorgen. Das klappt heute nicht mehr und er will morgen früh mit dem passenden zurück sein. So machen wir es uns auf dem Polizeihof gemütlich, zeigen den interessierten Polizisten Rocky von innen und dürfen auch mal auf den Motorrädern probesitzen.

Heute kommt der Mechaniker etwas später und hat einen neuen Riemen dabei. Der ist zwar länger, als der von gestern, aber laut Teileliste immer noch ein wenig zu kurz. Nach weiteren Telefonaten hat er den richtigen Riemen gefunden, leider in San Salvador. Heute ist Samstag und mittlerweile Mittag. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder er bestellt den Riemen und wir warten bis Montag, oder er fährt gleich los und holt das Teil persönlich aus der 80 km entfernten Hauptstadt ab. Das würde er dann mit 50 US$ extra berechnen. Wir wählen Variante 2 und nach gut 3 Stunden ist er am Samstag Nachmittag wieder zurück, baut den Riemen ein und Rocky läuft wieder! Wir bezahlen für alles gut 200 US$, schlagen das Angebot der Polizisten, noch eine Nacht länger zu bleiben, aus und machen uns auf den Weg zur Grenze. Heute erreichen wir das Hotel mit Campingmöglichkeit kurz vor der Grenze tatsächlich und verbringen hier unsere letzte Nacht in El Salvador. Morgen wartet dann mit Honduras ein neues Land auf unserer Reise.

El Salvador, einst gefährlich und unsicher, hat uns positiv überrascht. Es lag weniger Müll als in Guatemala am Straßenrand, die Menschen waren überaus freundlich, ja sogar herzlich. Zu guter letzt hat die Polizei unglaublich hilfsbereit alles getan um Rocky wieder fit zu kriegen. Fußball ist hier besonders populär und die deutsche Bundesliga allseits bekannt. In einem Gespräch meinte ein junger Polizist: „Bayern München wäre ja richtig gut, aber sein Lieblingsverein ist Borussia Dortmund“. Auf die Frage woher wir kommen meinte Clemens „Aus Hannover, aber da gibt es aktuell keinen Verein in der Bundesliga“. Darauf der Polizist: „Ach ja, aber Hannover 96 steht doch nicht schlecht in der 2. Bundesliga“. Wieder mal fehlten Clemens die Worte…

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