Nordamerika 2024 3. Es geht südwärts

Der Weg nach Süden, die stillgelegte Fähre und eine hübsche Goldgräberstadt

3.7. – 13.7.2024

„Das Wetter hält sich an die Vorhersage…“ sagt Sabine heute Morgen beim ersten Blick aus dem Fenster. Es regnet, aber kräftig! Nach dem langen Tag gestern werden wir erstmal gemütlich frühstücken und uns dann auf den Rückweg machen. Der Platz, auf dem wir übernachtet haben, dient den Einheimischen als Sommerparkplatz für ihre Winterfahrzeuge.

In der eher flachen Landschaft hier fallen uns „komische“ Hügel auf. Die „Pingos“ entstehen im Permafrost Boden und haben unten eine Eisblase, die den Boden nach oben drückt (oder so ähnlich 😉).

Die „Straße“ gleicht einer Schlammwüste und ist, man mag es kaum glauben, noch rutschiger als in trockenem Zustand. Gestern fühlte sich der Kies beim Fahren schon rutschig an, heute ist das unebene Schmierseife.

Inuvik bietet auch keine schönen Ansichten, bei dem Wetter erst recht nicht!

Mancher Gegenverkehr schleudert Steine und Dreck, andere planieren die Piste wieder. Auf dem dann losen und nassem Untergrund lässt sich ganz besch… fahren.

Dann erreichen wir 160 km hinter Inuvik die Fähre über den Mackenzie River. Anstellen in der Schlange dreckiger wartender Fahrzeuge.

„Für heute ist der Fährbetrieb eingestellt, vielleicht fährt sie morgen wieder“ sagt der freundliche Herr in dem offiziell aussehenden Pick-up, der neben uns hält und dann die Reihe der Autos nach vorn abfährt. Das es letztlich 5 Tage dauern wird, bis die Feuerlöschanlage instand gesetzt, abgenommen und ein neuer Captain eingeflogen ist, können wir da noch nicht ahnen.

Diejenigen, die sich den Dempster mit dem Motorrad antun, haben es jetzt leichter. Das Motorboot bringt sie (einigermaßen) sicher rüber.

Auch die Verpflegung und das „Örtchen“ für die Gestrandeten geht so über den Fluss.

Wir werden auch mal versorgt, müssen aber größtenteils von unseren Vorräten leben, Wasser sparen und abwarten…

Im Winter wäre es einfacher über den Mackenzie River zu kommen. 😉

Die Warterei geht ganz schön auf die Nerven und immer wieder die Aussage „Morgen geht es wieder los“ hören wir nun schon ein paar Tage. Mittlerweile hat sich schon eine kleine Community gebildet, die sich gegenseitig hilft, Infos austauscht und für Unterhaltung sorgt.

Am fünften Tag kommt endlich die Nachricht, „In zwei Stunden fahren wir wieder“. Die Löschanlage funktioniert und der Captain ist nun auch da. Wir sind als erste dran und fahren dann am gegenüber liegenden Ufer an unglaublich vielen Wartenden vorbei. Gefeiert werden wir von den meisten, wohl nicht, weil WIR vorbeifahren, sondern weil es endlich weiter geht.

Als die Schlange endlich zu Ende ist können wir auch wieder die Landschaft genießen.

In Fort McPherson müssen wir dann erstmal einkaufen und treffen uns abends dann kurz vor der nächsten Fähre mit Silvia und Ralf. Wieder ein gemütlicher Abend und wir können zur Abwechslung auch mal wieder deutsch sprechen. Nicht dass wir miteinander englisch sprechen, aber mal wieder mit anderen in der Muttersprache zu klönen macht auch mal wieder Spaß.

Das Wetter wird auch wieder schön und der Rückweg kommt uns viel kürzer vor. Die Zwischenübernachtung mit Ausblick und Feuer ist dann auch was zum genießen.

Die Bilder können kaum das Gefühl der Weite und Einsamkeit wiedergeben, dass uns hier in dieser grandiosen, unendlich scheinenden Natur erfasst. Zu wissen, dass soweit man blicken kann (und das ist an manchen Stellen verdammt weit), sich keine menschliche Siedlung, keine Straße und keine Eisenbahn befindet, nur Natur wir sie in hunderten von Jahren gewachsen ist, ist einfach überwältigend.

Wir erreichen wieder den Tombstone Territorial Park mit seinen spitzen, gezackten Gipfeln.

„Stopp doch mal“ Sabine hat gleich rechts neben dem Highway eine Elchkuh mit Kalb im Wasser entdeckt. Natürlich müssen wir davon Fotos machen. Die Tiere scheinen gute Schwimmer sein.

Geschafft! Wir sind wieder an Anfang (km 0) des Dempster angekommen. Was bleibt nun eigentlich? 1800 km Schotterpiste, mal besser mal schlecht, sehr wenig Siedlungen, viele weite Landschaften, das Gefühl, am nördlichen Ende der Reise angekommen zu sein, die Erkenntnis, dass eine ausgefallene Fähre mehrere Tage Wartezeit bedeuten kann und ein Rocky, der nach einer Wäsche ruft. 😂

„Und, hat es sich gelohnt?“ Ja!!! Und wir würden es wieder machen!😀

Nach wenigen Kilometern erreichen wir Dawson City. Für Clemens der Inbegriff einer Goldgräber Stadt. Hier wirkt so manches noch wie direkt aus dem Goldrausch 1899 in die heutige Zeit versetzt. Die Straßen sind unbefestigt, die Gehwege sind aus Holz und die Häuser haben schmucke Fassaden.

Ein alter Raddampfer (Engl. Sternwheeler) steht restauriert am Ufer des Yukon.

Ein wenig flussabwärts ist noch ein Sternwheeler am Ufer auf Grund gesetzt worden, der sieht nicht mehr so gut aus…

War sicher auch mal der Stolz seines Captains und die Hoffnug vieler Goldsucher, dass er sie zum Reichtum bringt.

Die Fähre über den breiten Yukon ist in Dawson City kostenlos und bringt uns zum Yukon River Camp auf der anderen Seite.

Morgen wollen wir Canada verlassen und über den „Top of the World Highway” nach Alaska fahren. Damit werden wir wieder in die USA einreisen und unseren Rundweg durch den nördlichsten Bundesstaat beginnen.

Alaska!!!

14.7. – 23.7.2024

„Wir fahren nach Alaska!“ Auf dem „Top of the World Highway” verlassen wir Dawson City und legen noch einen kurzen Stopp an einem Aussichtspunkt und der Werbefassade für – aus Richtung Alaska ankommende – Gäste ein.

Auf der Weiterfahrt sind wir nach kurzer Zeit (mal wieder) von der Weite der Landschaft begeistert.

Die Schotterstraße windet sich durch die Berge, dann erreichen wir den Grenzübergang „Little Gold“ in die USA, der steht ziemlich einsam in der Gegend.

Nach 10 Minuten ist die Einreise erledigt, nur die Pässe, die Visa und ein paar Fragen zu Waffen, Aufenthaltsdauer und Reiseziel. „Bearspray is okay, any other weapons?” Nein, wir haben keine weiteren Waffen an Bord! Alles zur Zufriedenheit beantwortet und schon dürfen wir weiter fahren. Alaska ist erreicht.

Kurze Zeit später stehen wir an der Abzweigung nach Eagle. Das Dorf am Yukon River soll schön und ursprünglich sein. Sollen wir die 100 km hoch fahren?

Klar machen wir, und sind von der Strecke begeistert. Nicht die Straße, oder besser gesagt die Piste, begeistert uns, sondern mal wieder die Landschaft.

Die „Piste“ ist eher anstrengend.

Der kleine Kerl hat alle Hände voll zu tun, um den Damm auszubessern.

Eagle an sich besteht aus einer Ansammlung alter und älterer Gebäude. Der „Supermarkt“ besteht aus drei Regalen und einer Kühltruhe im Erdgeschoss des örtlichen B&B. Lustigerweise ist im gleichen Raum auch die Kneipe des Ortes. Die weiße Rangerstation ist schon ein Hingucker und wir treffen wieder nur nette Menschen. So dürfen wir auch das gefilterte Wasser der Ranger für unseren Tank nutzen und fahren mit vollem Wassertank wieder zurück.

Auf dem Weg nach Chicken, der Ort sollte eigentlich Ptarmigan heißen, da es hier sehr viele dieser Vögel gibt. Das konnte nur kaum jemand schreiben und aussprechen, so heißt er nun einfach Chicken. Hier treffen wir Silvia und Ralf wieder und wir gucken uns gemeinsam um. Chicken Downtown besteht aus drei touristisch getrimmten Gebäuden. Eines ist natürlich ein Saloon. 😀

Aus der Goldrauschzeit steht hier noch ein riesiges Gerät, mit dem der Untergrund durchwühlt wurde.

Den gestrigen Abend haben wir dann noch gemeinsam verbracht und heute trennen sich unsere Wege erstmal. Die beiden haben für Freddy einen Werkstatttermin in Fairbanks gebucht und wir wollen mit unserem Abenteuer Camper über den Denali Highway zum Denali National Park fahren.

Über den Alaska Hwy. erreichen wir Tok und können tanken und an der Tankstelle auch gleich den Hochdruckreiniger am Waschplatz kostenlos nutzen.

Entgegen unserer Planung (Pläne sind tatsächlich nur dafür da, sie möglichst oft zu ändern😂) biegen wir nicht auf den „Tok cut off“ nach Südwesten ab, sondern wollen den Alaska Hwy. noch bis zum Schluss in Delta Junction fahren. Zwischendurch ist auch noch eine Nacht in einer „Blumenwiese“ drin.

Der Alaska Hwy. ist geschafft! Wir haben tatsächlich die Meile 1422 erreicht. Das ist doch ein Grund zum feiern. Als wir uns dazu den Burger schmecken lassen, trudeln Silvia und Ralf auch noch ein und gesellen sich zu uns. Zum Schluss sitzen drei Besatzungen von deutschen Overlander Fahrzeugen am Tisch und tauschen Tipps und Erlebnisse aus.

Rocky rollt nun noch ein gutes Stück den „Richardson Hwy. nach Süden. Parallel dazu verläuft die „Trans Alaska Pipeline“, eine große Öl Pipeline, die das Alaska Öl vom Nordmeer bis nach Valdez transportiert. Dort wird es auf Tanker verladen und in die ganze Welt verschifft. Wegen des Permafrost Bodens ist sie komplett aufgeständert und wir kreuzen hier und da ihren Weg. Während der Bauphase wurden riesige Areale in der Landschaft planiert, geschottert und als Basislager genutzt. Auf einem solchen Platz, der sogar einen Air Strip hatte, übernachten wir heute. Der Blick auf die Berge und den Gletscher lässt die Geschichte des Ortes einfach verblassen und wir genießen den Abend.

Noch ein kleines Stück auf dem Richardson Hwy., dann biegen wir in Paxson rechts auf den Denali Hwy. nach Westen ab. Auch hier rechnen wir mit Schotterpiste und Clemens reduziert an allen vier Reifen von Rocky den Luftdruck. Die Fahrbahn ist auf den ersten Kilometern zwar noch asphaltiert, wird aber immer schlechter. Die Landschaft und die Ausblicke werden dafür nach jeder Kurve besser!!!👍👍👍

Wir parken unser rollendes Zuhause etwas abseits der Piste und können uns an der Landschaft einfach nicht „sattsehen“. Dann verzaubert der Sonnenuntergang das Ganze auch noch mit einer fast unwirklich wirkenden Farbe.

Guten Morgen, der erste Blick aus dem Fenster bestätigt mir, dass ich das Gestern nicht nur geträumt habe. Das da draußen ist Realität! Wieder einmal müssen wir uns klar machen, wie schön es ist, das erleben zu dürfen. Irgendwie ist es einfach unglaublich in dieser Umgebung einfach so übernachten zu können und am nächsten Morgen mit Blick auf ein unfassbares Bergpanorama zu frühstücken. So verbringen wir noch eine ganze Menge Zeit an diesen schönen Ort, trinken einen zweiten Kaffee im Freien, gehen spazieren und staunen die Alaska Range im Norden einfach nur an.

Als unser Abenteuer Camper „Rocky“ dann endlich seine vier Räder wieder in Bewegung setzt, entdecken wir viel kleinere aber ebenso schöne Dinge neben und über der Straße. Die Biberburg ist schon ein kleines Kunstwerk.

Und der Weißkopf Adler zieht seine Kreise über uns hinweg.

Dann kommt die Denali Range in Sicht.

Der höchste Berg Nordamerikas, der Mt. Denali, zeigt sich fast ohne die sonst üblichen Wolken. Der erste Sechstausender, den wir in unserem Leben sehen. Irgendwie majestätisch wie der verschneite Riese dort vorne über allem thront.

Im Denali NP gucken wir uns die Fahrzeiten der Transitbusse an und buchen für morgen eine Tour. Leider geht es zurzeit nur bis zur Meile 42 in den Park hinein, da ein Erdrutsch eine Brücke zerstört hat. Bis zur Fertigstellung der Neuen in zwei Jahren wollen wir nun doch nicht warten 😉. Da die Campingplätze vorne im Park alle belegt sind, oder wir einen Platz weiter drinnen für mindestens drei Nächte buchen sollen, fahren wir ein paar km „vor die Tore“ des NP und übernachten kostenlos am Fluss.

Heute geht’s früh los, Lina darf ganz vorne im Bus sitzen und ist glücklich. Clemens hat den Job als „Aushilfsschaffner“ dankend abgelehnt.

Die Fahrerin erzählt viel über den Park, die Geschichte und die Tiere. Wir sehen Ptermigan (siehe oben), die gern im Staub der Straße baden, Caribous, ein Marmot und zwei Grizzly’s. Das Wetter spielt auch heute mit, und wir erleben einen der wenigen Tage im Jahr, wo den Denali keine Wolken umgeben.

Die 6000er scheinen so unantastbar, wie sie da so stehen, und wir können in diesem Moment verstehen, warum Bergsteiger einfach den Drang verspüren, da hinauf zu steigen.

Im Anschluss der Busfahrt tanken wir noch Wasser im Park und fahren dann auf dem George Parks Hwy. weiter Richtung Anchorage. Ein Overlook erlaubt uns noch einen letzten Blick auf die Denali Gruppe.

Anchorage empfängt uns mit einer Flugshow und wir finden einen Übernachtungsplatz über Boondockers Welcome und werden mal wieder herzlich aufgenommen. Wir klönen erstmal eine ganze Weile mit unseren Gastgebern Roz und Mark, so gibt es die Pizza dann etwas später.

Nach einer echt ruhigen Nacht und gemütlichem Frühstück (natürlich mit Klönschnack) machen wir uns auf in die Stadt. Auch Wäsche waschen muss mal wieder sein, und einkaufen bei Cabela’s ist auch immer ein Erlebnis. Von Camping über Wassersport und Angeln bis zur kompletten Jagd-Ausrüstung (Waffen, Munition, Bekleidung und sogar der Fleischwolf fehlt nicht) gibt es hier alles für das Outdoor Herz. Clemens könnte Tage in dem Laden verbringen. 😀 Ach ja, wie hier überall üblich ist selbstverständlich auch die Umkleide-Kabine für Rollifahrer vorhanden. (Deutschland du armes Entwicklungsland)

Ein Herz für Camper haben sie auch und man darf auf dem hinteren Parkplatz ruhig und ungestört übernachten. 💤

Uns zieht es weiter nach Seward auf der Kenai Halbinsel. Von dort aus werden Wal- und Gletschertouren in den „Kenai Fjords NP“ angeboten. Wir buchen bei „Kanai Fjords Tours“ die Gletscher Tour in den National Park, der nur mit dem Boot erreichbar ist. Heute finden wir mit Hilfe von iOverlander einen außergewöhnlichen Übernachtungsplatz im Flussbett des Resurrection Rivers. Sabines Frage: „Wozu haben wir denn 4WD?“, ist einfach zu beantworten: „Um die letzten 300m zu solchen Plätzen zu schaffen!“ Nun, es ist etwas schwierig rein zu kommen, aber einfach phantastisch zum übernachten.

So schlafen wir, mit dem Rauschen des Flusses und der freudigen Erwartung auf eine tolle Bootsfahrt, entspannt ein. 😴

Gletscher, Wale, unglaublich freundliche Menschen und viel mehr…

24.7. – 27.7.24

Wir werden bei Kenai Fjords Tours äußerst freundlich empfangen und Lina darf als erste an Bord. Für sie wird auch gleich die Gangway vor dem Fenster an ihrem Tisch abgesperrt, damit sich niemand in ihr Sichtfeld stellen kann. Wir überlegen, ob wir in Deutschland auch soviel Service erlebt hätten??? Es ist aber auch viel Platz an Bord, so dass der Bereich auch nicht unbedingt gebraucht wird.

Die Fahrt ist einfach unbeschreiblich schön, wir sehen zuerst einen einzelnen Buckelwal, Seelöwen, Wasserfälle, verschiedene Gletscher des „Harding Icefield“, den Aialik Gletscher, der direkt in den Pazifik kalbt, Seehunde auf Eisschollen und dazwischen lassen sich die Seeotter ganz gemütlich treiben.

Lina bekommt das Gletschereis natürlich exklusiv serviert,

bevor es für die Drinks zerstoßen wird.

Dann verabschieden wir uns vom Gletscher,

besuchen noch Vogelfelsen mit Möwen, Papageientauchern und am Fuß vielen Seelöwen.

Dann können wir Buckelwale bei der Jagd beobachten. So etwa 10 Tiere bilden einen Kreis aus Luftblasen, in dem die Fische „gefangen“ werden und tauchen dann selbst in diesem Kreis auf, um viele Fische im weit geöffneten Maul verschwinden zu lassen. Ein Schauspiel, dass uns eine Gänsehaut überkommt. So etwas haben wir zwar schon in Tierdoku‘s gesehen, aber life ist echt ne andere Nummer. 😍😍😍

Zum Schluss springt noch ein Tier und klatscht laut aufs Wasser.

Auf dem Rückweg begleitet und noch ein Orca und uns wird klar, warum sie „Schwertwale“ heißen.

Der Weißkopf Seeadler wartet zum Abschluss unserer Fahrt auf einem Dalben in der Hafeneinfahrt von Seward auf Beute.

Diesen Tag müssen wir erstmal verarbeiten, so viele einmalig schöne Erlebnisse, viele Tiere in freier Umgebung und der mächtige Gletscher, das ist zu viel, um einfach weiter zu fahren. Also ziehen wir uns auf den tollen Platz im Flussbett zurück und lassen den Tag ruhig ausklingen.

Da das Wetter heute etwas „zugezogen“ ist, fällt das Frühstück länger aus und wir können uns erst am Nachmittag aufraffen, den Exit Glacier, eine weitere Gletscherzunge den Harding Icefield‘s, zu erwandern. Mit dem Rolli müssen wir auf halber Strecke leider abbrechen, da der Weg zu steinig und unpassierbar wird. Wir trennen uns wieder und gehen das letzte Stück nacheinander, sodass Lina nicht allein bleiben muss.

Während Sabine oben am Gletscher ist, erwandert Lina mit Clemens den „Washout“ unterhalb des Eises.

Dann zieht es uns ein drittes mal, für uns sehr ungewöhnlich, für eine weitere Nacht zum Resurrection River.

Heute morgen war es noch reichlich bedeckt, aber am Nachmittag spazieren wir bei Sonnenschein durch Seward.

Wir fahren heute den angeblich längsten Straßentunnel Kanadas nach Whittier. Der Tunnel ist einspurig und ein kombinierter Straßen- und Eisenbahntunnel. Darum gibt es für den Autoverkehr festgelegte Zeiten. Wir haben doppeltes Glück, erstens ist unsere Fahrtrichtung gerade freigegeben und zweitens läuft uns direkt vor dem Tunneleingang ein Schwarzbär über den Weg.

Am Mittag nehmen wir dann die Fähre von Whittier nach Valdez. Eine Schifffahrt durch den Prince William Sound mit atemberaubenden Aussichten auf Gletscher, unbeschreiblicher Landschaft und Eisbergen. Seeotter treiben entspannt vorbei und wir genießen mal wieder das Vorwärtskommen ohne selbst fahren zu müssen.

In der Ferne sind Kreuzfahrer vor den Bergen der Kenai Halbinsel

und Eisberge zu sehen.

Zwei Beobachter hinter der Scheibe

Ein Ölhafen, viele Lachse, mystische Seen, Abenteuer auf alten Schienen und am Bergwerk

28.7. – 1.8.24

Valdez hat heute tiefhängende Wolken. Wir trödeln ein wenig durch die Stadt und den Yachthafen. Beobachten die Seeotter im Wasser und die Fischer mit ihrem Fang.

Dann verlassen wir den eher unspektakulären Ort mit dem etwas übertrieben wirkenden Portal, um auf der anderen Seite der Bucht die Salmon Hatchery zu besuchen. Zur Zeit kommen die Lachse zum „Geburtsort“ zurück um zu laichen. Ein Fest für die Seelöwen.

Sie brauchen hier einfach nur zu warten, um sich den Fisch schmecken zu lassen. Die Möwen bekommen die Reste.

Gekuschelt wir zwischendurch auch…

Der Creek, der hier in den Pazifik fließt, ist aber auch sehenswert!

Die Mystic am Valdez Glacier Lake ist einfach perfekt

Ein kleiner Spaziergang ist trotz des Wetters, oder gerade weil es so ist, einfach schön.

Der Richardson Hwy. führt vorbei an den Horsetail Falls,

und weiter über den Tompson Pass Richtung Glennallen. Vorher geht rechts eine McCarthy Road zum gleichnamigen Ort ab. Am Ende der Straße liegt eine aufgegebene Kupfermine, deren verlassene Gebäude besucht werden können. Die 150 km (one way) sind es doch wert, oder?

Schon der Weg nach McCarthy hält viele Überraschungen bereit. Ursprüngliche Landschaft des Copper Rivers,

eine Elchkuh beim fressen im Wasser,

die 1910 erbaute Kuskulana Eisenbahnbrücke, die nun, einfach mit Holzbrettern belegt, als Straßenbrücke genutzt wird. Vor 10 Jahren bekam die Fahrbahn sogar Leitplanken. Ist aber auch so noch ein komisches Gefühl bei über 90 m Höhe.

Über eine weitere Holzkonstruktion wollen wir dann doch nicht mehr fahren…

Selbst der in iOverlander genannte Übernachtungsplatz unter dieser Brücke erscheint uns nicht vertrauenswürdig.

So übernachten wir ein Stück weiter und erreichen am Vormittag McCarthy. Zur Mine rauf darf Rocky nicht mit, hier fährt ein Kleinbus die Besucher. Angesprochen auf Linas Rolli baut Russel, der Busfahrer, sofort eine Sitzbank aus und wir können den Rolli problemlos mitnehmen. Wenn wir zurück möchten sollen wir ihn einfach anrufen, und er würde uns dann abholen. Mal sehen ob das klappt?

An der Kennecott Mine angekommen, finden wir viele kaputte aber auch einige bereits restaurierte Gebäude vor. Der Rundgang ist spannend und verrät viel über die damaligen Arbeitsschritte und Bedingungen. Das Kupfererz wurde vor Ort aufbereitet, da es über viele hundert Kilometer zur Verladung transportiert wurde. So wollte man nicht unnötig viel wertloses Gestein mitschleppen.

Erzaufbereitung
Die alte Bahnstation und Waage

Über allem thront der Mt. Blackburn mit knapp 5000 m Höhe.

Im Vordergrund sieht man den Gletscher und keine Abraumhalden. 😀

Russel kommt vereinbarungsgemäß zum Abholen und bringt uns zurück zu unserem Abenteuer Camper. Auf dem Rückweg halten wir nochmal unterhalb der Eisenbrücke,

und übernachten mal wieder mit Aussicht.

Zurück auf dem Richardson Hwy. ist Glennallen unser nächstes Ziel. Nicht weil der Ort so schön ist, sondern weil die Wäsche so viel ist. 😉

Wieder auf dem Alaska Hwy. unterwegs nach Canada, wieder nach Alaska und zurück nach Canada?!?

2.8. – 7.8.24

Der Tok Cutoff Hwy. von Glenallen nach Tok lässt sich durch die vielen Bodenwellen schlecht fahren. Zwischendurch zeugen Baustellen von den Bemühungen die Qualität zu verbessern. Anders als in Deutschland, ist es hier üblich, dass ein Pilot Car die an der Baustelle wartenden Autos hindurch führt. So brauchen sie keine provisorische Fahrbahn zu markieren und können den Durchgangsverkehr flexibel führen.

Wir erreichen Tok, und damit wieder den Alaska Hwy. Unsere Runde durch Alaska hat sich geschlossen. Es fühlt sich fast an wie „nach Hause kommen“, da sind wir nach so vielen Erlebnissen zum zweiten mal in diesem Ort und kennen uns schon aus. Das klingt dann in etwa so: „Ach ja, hier ist die Tankstelle mit dem kostenlosen Waschplatz“ oder „Da vorne rechts kommt doch gleich der Three Bears Supermarkt“ und den steuern wir auch gleich mal an. Die Vorräte an Lebensmitteln werden wieder aufgestockt und Getränke auch noch eingepackt. Der junge Mann an der Kasse begrüßt uns mit einem Lächeln und „Welcome back“. Da muss man sich doch Zuhause fühlen!

Auf dem Parkplatz steht ein weiteres Womo aus Deutschland, genauer gesagt aus Hamburg. Wir klönen eine ganze Zeit mit Susanne und Olaf, stellen fest, dass Olaf‘s Schwester in Engelbostel wohnt und da es so viel zu bequatschen gibt, verabreden wir uns für heute Abend auf einem freien Stellplatz vor der Stadt. Der Abend im Hamburger Womo wird lang…

Der nächste Morgen dafür später:

Die beiden verabschieden sich Richtung Norden, wir hingegen fahren weiter in südliche Richtung. Der Grenzübergang bei Beaver Creek verläuft wie erwartet problemlos. Die üblichen Fragen nach Waffen, Alkohol, Drogen, geplanter Aufenthaltsdauer und 5 min später sind wir wieder in Canada. Der Alaska Hwy. schlängelt sich weiter durch scheinbar unendliche Landschaft

und rechts liegen die schneebedecken Gipfel des Kluane Nationalparks.

Kurz vor Burwash Landing finden wir ein Stück des alten Verlaufs vom Alaska Hwy. Dem folgen wir ein kleines Stück und entdecken etwas abseits einen Traumplatz am Fluss. Genug gefahren für heute, hier bleiben wir für die Nacht!

Auch das Frühstück heute Morgen schmeckt in dieser Umgebung einfach etwas besser. 😋

Wir sind heute noch keine halbe Stunde unterwegs, da muss Sabine schnell die Kamera rausholen.

Das Flauschmonster steht keine 2 m neben der Straße und lässt sich auch durch die Autos nicht stören.

Die Coast Mountains voraus fahren wir weiter und wollen heute noch bis Haines kommen.

Etwas überrascht sind wir dann, als wir feststellen, dass Haines auf US Amerikanischem Gebiet (also in Alaska) liegt und wir wieder über die Grenze müssen. Wie immer kein Problem und in 5 min sind wir durch. Der Beamte hat die üblichen Fragen gestellt, nur bei „Wie lange wollt ihr in den USA bleiben?“ mussten wir kurz überlegen. Ja wann reisen wir denn wieder aus? Wir haben noch kein Fährticket und online war die Fähre nach Skagway für die nächsten Tage ausgebucht. Also lautet unsere Antwort: „ein paar Tage, wenn wir keine Fähre buchen können sind wir übermorgen wieder hier“. So können wir weiterfahren und finden ganz in der Nähe von Haines einen Stellplatz direkt am Wasser, schöner Abschluss eines aufregenden Tages.

Das Geburtstagsfrühstück am 5.8. dauert etwas länger. Nicht nur, weil es so gut schmeckt, sondern auch weil viele liebe Freunde und Verwandte anrufen um persönlich zu gratulieren. Das tut so gut, auch in der Ferne mal wieder alle zu sprechen! Da kommt bei Clemens schon ein wenig Heimweh auf. Wir halten am Fähranleger und Sabine geht mal fragen ob vielleicht morgen oder übermorgen oder noch später ein Platz auf der Fähre nach Skagway frei ist. Sie kann es kaum glauben, als die Antwort der netten Frau hinter dem Tresen kam: „Klar wann wollt ihr denn fahren, Tickets habe ich noch für alle Tage“. Sie bucht die Mittagsfähre am 6.8.! Dann erkunden wir die Gegend um Haines und sind zum Kaffee im Chilkat State Park. Guter Kaffee, tolle Aussicht, phantastisches Wetter und eine liebe Familie, da ist bei Clemens das Heimweh wieder ganz schnell verschwunden.

Zum Tagesabschluss kommt dann das Highlight unserer bisherigen Reise. Wir beobachten wild lebende Grizzly’s beim Fischen. Einfach ein Gänsehaut Erlebnis und Clemens freut sich über ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk.

Wir sind pünktlich um 11.30 Uhr am Fähranleger, fahren Rocky nach kurzer Wartezeit in den Bauch der Fähre und finden oben auch einen Fensterplatz.

Skagway empfängt uns mit tollem Wetter und leider DREI Kreuzfahrern im Hafen!

Die kleine und wirklich hübsche Stadt ist voll mit asiatischen und amerikanischen Touristen. Wir schlendern trotzdem durch die Gassen und stellen uns am Eisverkauf an. Nein, Sabine stellt sich an, Lina und Clemens suchen sich ein schattiges Plätzchen und warten geduldig ab. „Ihr könnt jetzt rüber gehen, die Schlange vor dem Eisladen ist kürzer geworden“ sagt ein netter Einheimischer zu Clemens, gerade in dem Moment als Sabine mit ihrer „Beute“ da raus kommt. Clemens bedankt sich für den Tipp und deutet auf das nahende Eis. Mit einem „lasst es euch schmecken“ geht den Mann wieder seiner Wege und wir setzen uns in den Schatten alter Bäume, um uns ein wenig mit dem Eis von innen zu kühlen. Kurz darauf erscheint eine asiatische Gruppe und der Führer erklärt vermutlich die Sehenswürdigkeiten der alten Gebäude um uns herum. Das geschieht so laut und mit für uns aggressiv klingenden Worten, dass das Eis nicht so richtig schmecken will.

Etwas genervt von den vielen Leuten (wir sind es nach so langer Zeit in der Einsamkeit wahrscheinlich nicht mehr gewöhnt) treten wir die Flucht nach vorn an. Im RV-Park in der Stadt können wir unseren Wasservorrat auffüllen und fahren dann über den, bei den Goldsuchern damals so gefürchteten, „White Pass“ wieder zurück nach Canada. Ein Stück weiter finden wir einen einsamen See und genießen den Abend und die lecker Hamburger ganz für uns allein.

Einfach der Hammer, nur ein kleines Stück abseits der Straße und damit der Haupt Touristenpfade findet sich so ein Paradies. Der Blick am nächsten Morgen aus der Schiebetür beim Frühstück könnte nicht schöner sein…

In Carcross, was eigentlich eine Abkürzung von „Caribou Crossing“ ist, endet die historische Bahnstrecke über den White Pass. Der alte Bahnhof ist noch immer in Betrieb.

Im General Store werden in historischem Ambiente moderne Sachen verkauft.

Die alte Drehbrücke ist auch noch immer in Betrieb und wird täglich vom White Pass Express befahren.

Die Carcross Desert, ein Stück nördlich der Stadt, ist in Wirklichkeit eine große Düne, da es für eine Wüste viel zu viel regnet. Befahren wollen wir sie lieber nicht, obwohl es irgendwie in den Fingern juckt.

Stattdessen fahren wir ein Stückchen weiter bis zum Emerald Lake und schlagen am Ufer unser Nachtlager auf.

Wir sitzen gerade wieder im Auto,

die Schiebetür ist noch offen, als dieser Dialog entsteht:

Sabine: „Da ist ein Bär“, Clemens: „Wo?“, Sabine: „Da, zwei Meter hinter dir“. Als Clemens dann die Kamera oben hat, ist er oder sie schon ein Stück weiter gelaufen, und trottet ganz gemächlich zwischen den Bäumen davon.

Beim Grillen heute Abend dreht sich Clemens nun doch ein paar mal um und späht in den Wald…

Der Yukon

8.8. – 17.8.24

Wieder in Whitehorse angekommen haben wir Glück. Am Donnerstag ist Markttag, und heute ist Donnerstag. 😋

Über Nacht stehen wir mal ganz unspektakulär bei Real Canadian Superstore auf dem Parkplatz. Hier gibt es immer viele Overlander.

Whitehorse bietet sich zum Radfahren an, der Weg am Yukon River ist toll ausgebaut und Lina kann sich richtig austoben.

Leider müssen wir dann vorzeitig abbrechen, da es zu regnen beginnt.

Zum Wochenende wird es wieder schön und wir gucken heute wieder Landschaft. Zuerst halten wir am Miles Canyon, einer Engstelle des Yukon Rivers.

Eine Fußgängerbrücke überspannt an der Engstelle den Fluss.

Sieht von hier aus anz schön hoch aus…

Weiter geht es den Alaska Hwy. runter,

Kaffeepause am Yukon River

bis Jakes Corner. Hier biegen wir rechts ab. Es kribbelt mal wieder in den Fingern und wir wollen einen etwas einsameren Teil von British Columbia besuchen. Das Gebiet um den Atlin Lake ist nur über eine Stichstraße vom Yukon Territorium zu erreichen. Wir finden einen Platz in der Warm Bay Receation Site direkt am Wasser des Atlin Lakes.

Diese Recreation Sites in BC haben meist je Stellplatz einen Picknicktisch, eine Feuerstelle (aus Metall oder Steinkreis) und einen Platz für Auto und Zelt (falls vorhanden). Oft gibt es auch noch ein Plumpsklo in der Nähe und eine Infotafel mit Wanderwegen. Das alles stellt die Provinz kostenlos zur freien Verfügung.

Zur Sicherheit steht das Bärenspray auch mit am Kaffeetisch.

Die Sonne verabschiedet sich…

Da es hier so schön ist, bleiben wir gleich noch eine weitere Nacht. Nun besuchen wir sozusagen auf dem Rückweg zum Alaska Hwy. auch die Ortschaft Atlin.

Hier wurde einem Bob eine Bank mit Blick auf den See gewidmet, offenbar hat er sehr viel für die Kinder getan.

„Wir könnten doch auch über die S Canol Road und den Campbell Hwy. nach Watson Lake fahren“ kommt der Vorschlag vom Navigator, kaum dass wir zurück auf dem Alaska Hwy. sind. Kurz überlegen wir, kommen aber schnell zu dem Schluss, dass wir den Verlauf des „Alaska“ von hier bis Watson Lake schon gefahren sind und biegen in Johnsons Crossing auf die Schotterstraße ab. (Als ob wir in letzter Zeit nicht genug auf Schotter unterwegs gewesen wären…) Natürlich besorgt Sabine vorher noch die leckeren Zimtstücke von der Bäckerei die wir schon auf dem Weg nach Norden genossen haben. Am Sidney Lake ist dann für heute Schluss.

Die Canol Road wurde mal als Service Road für eine Ölpipeline gebaut. Auch eine „Errungenschaft“ aus dem 2. Weltkrieg, die Pipeline wurde aber nie richtig gebraucht und bald wieder stillgelegt. Die Straße ist geblieben. Hier und da sieht man noch altes Baugerät am Straßenrand.

Bis Ross River schlängelt sich die Canol Road, mal in besserem, mal in schlechterem Zustand, durch die Landschaft.

Manchmal hängen die Wolken tief…

In Ross River verbindet eine etwas altersschwache Fähre über den Pelly River die S Canol Road mit der N Canol Road.

Daneben gibt es eine Fußgängerbrücke.

Im Norden geht es aber nur noch ein kleines Stück weiter, denn die Straße wird seit 1945 nicht mehr gepflegt und ist stellenweise unpassierbar. Wir tanken nochmal voll und schlagen dann den Weg auf dem Campbell Hwy. nach Watson Lake ein. Sind ja nur noch rund 300 km Schotterpiste.

Eine typische Tankstelle hier im Norden, aber natürlich mit Kartenzahlung

Am Zusammenfluss von Hoole River und Pelly River finden wir wieder einen Traumplatz für die Übernachtung.

Der Campbell Highway, guter Schotter ist besser als schlechter Asphalt

Kurz vor Watson Lake stoppen wir noch am ortseigenen Flugplatz. Der Hangar ist noch aus der Weltkriegszeit, als hier die Lufttransporte nach Russland stoppten.

Watson Lake nutzen wir zum Wäsche waschen, einkaufen und für eine Übernachtung an der Visitor Info. Natürlich darf ein Blick auf den Schilderwald nicht fehlen.

Und morgen geht es ab auf den Cassiar Highway und weiter nach Süden. Wir haben unsere Fähre ja auf den 29.8. umgebucht, so bleibt uns nun noch genug Zeit um nach Prince Rupert zu kommen.