Aktive Vulkane, äußerst freundliche Gastgeber und zwei überraschend schöne Städte
28.3. – 31.3.24
Südlich von Mexiko City gibt es zwei Vulkane. Einer davon, der Popocatépetl mit 5426 Höhe, ist zurzeit aktiv. DAS wollen wir uns natürlich ansehen. Um den Vulkankegel selbst ist seit ein paar Jahren ein Sperrgebiet von 15 km Radius eingerichtet, aber die Passstraße (Paso de Cortés) zwischen dem Popocatépetel und dem Nachbarvulkan, Iztaccíhuatl mit 5230, ist offen und darf befahren werden.
Wir fahren also Richtung Puebla und wollen die Passstraße von Osten her hochfahren. „Was geht den hier ab?“ „Das ist keine Straße, das ist eine üble Piste“.

„Die 20 km bis zur Passhöhe schaffen wir nicht mehr vor dem Dunkelwerden“. Also bemühen wir mal wieder iOverlander und finden einen Platz von dem aus man beide Vulkane sehen kann. Wir finden nicht nur einen wunderschönen Platz, sondern auch vier nette Leute. Maren und Christian sind mit dem kleinen Tomte mit Fahrrädern und Kinderanhänger auf der Panamericana unterwegs. Für ein Teilstück hat sich Felix zu ihnen gesellt. So wollen sie morgen die Piste hoch auf den Paso de Cortés, 800 Höhenmeter auf immerhin 3600 m Höhe, teilweise in weichem Sand und mit Anhänger und Gepäck. Sie haben unseren höchsten Respekt!




Wir sind heute nicht ganz so früh unterwegs, überholen die Radler aber auf der Strecke. Wie „einfach“ ist es dagegen für uns mit dem Auto! Aber auf dieser Piste ist das Fahren auch im Auto anstrengend… letztlich kommen wir am Besucherzentrum an der Passhöhe an und Lina packt auch erstmal ihr Fahrrad aus. Wir drehen unsere Runden in einem Abstand von 7 km zum Krater.

So ein Vulkan hat irgendwie etwas Magisches, Erhabenes. Wir können den Reiz nicht beschreiben, aber er wirkt anziehend.



Am Nachmittag kommen die Radler tatsächlich auch hier oben an. Tomte muss erstmal Linas Fahrrad ausprobieren.
Dann fährt Lina das letzte Stück zur Campingarea mit.

Wir verbringen eine richtig ruhige Nacht hier oben und wollen heute wieder runter fahren. Vorher kommt noch das obligatorische Abschiedsfoto. „Wir bewundern euch, zu sehen wie ihr nur mit Fahrrad und Zelt diese Strecke fahrt, verdeutlicht uns mal wieder wie viel Komfort wir in unserem Van haben“. „Wir wünschen euch alles Gute und vor allem eine unfallfreie Fahrt“!

Wir machen uns nun auf den Weg, aber diesmal die asphaltierte Seite runter, umrunden den Popocatépetl,

und landen in Cholula bei Nora und Victor auf unserem „Privatparkplatz“.

Die beiden bieten für Overlander einen Stellplatz in der Einfahrt an. „Herzlich willkommen, ihr könnt bleiben, solange ihr wollt“ ist Victor’s Begrüßung. Wir stehen hier in einem umzäuntem Bereich, haben gleich einen Schlüssel für das Haus, eine Fernbedienung für das große Tor, und somit Zugang zu Wasser und Toilette, bekommen. Einfach unglaublich nett und gastfreundlich von den beiden!
Unser erster Ausflug, nachdem wir gestern noch unsere Wäsche zur Wäscherei um die Ecke gebracht haben, geht nach Puebla. Heute ist Samstag, und das „Historische Zentrum“ von Puebla ist voll, bunt, quirlig, einfach „mexikanisch“.

Wir schlendern einfach ziellos umher und genießen die Zeit.


Zwischendurch entdecken wir, mehr durch Zufall, den „Mercado la Victoria“



Zur Bespaßunng gibt‘s unter Anderm ein Tauziehen „Mädchen gegen Jungs“

… die Mädchen haben übrigens gewonnen…
Wir verweilen noch eine Zeit im Mercado el Parian,

um schließlich durch das historische Zentrum zurück zu laufen und den „Heimweg“ zu unserer Homebase anzutreten.

Heute Morgen erreicht uns eine traurige Nachricht aus der Heimat. Trotzdem starten wir zur Erkundung von Cholula. Die Stadt hat eine ganz besondere Attraktion. Die Kirche steht auf einer alten Pyramide. Vielleicht ein Zeichen, dass die katholische Kirche über allem steht? Jedenfalls stehen Pyramide und auch Kirche unter Denkmalschutz und so kann nicht weiter freigelegt werden.




In der Stadt fallen uns vor allem die zahlreichen Wandgemälde auf.



Wir genießen den Tag, schlendern durch den Markt und erleben eine Zeremonie, wo sich einheimische Bräuche mit den kath. kirchlichen mischen.





Auch wenn man nicht gläubig ist, bewegt die Zeremonie und die Musik in der Kirche uns dann doch.


Über all dem steht majestätisch der Popocatépetl und stößt ab und zu mal Rauch und Lava aus. Eine kleine Erinnerung daran, wie klein und unbedeutend Menschen, ihre Städte und ihre Kirchen eigentlich sind.

Nach anstrengendem Tag übernachten wir nochmal bei unseren netten Gastgebern in der Stadt und verabschieden uns heute Morgen nicht ohne nochmals ganz herzlich DANKE für die Gastfreundschaft zu sagen!

Uns treibt es nach drei Nächten hier nun weiter zu den Ruinen von Tehuacán.
2000 Jahre alte Ruinen, wieder eine entspannte Stadt und Camping bei Freunden
1.4. – 5.4.25
Wir verlassen Cholula, um uns die Ruinen von Tehuacán anzusehen. Auf dem Weg können wir noch die moderne Architektur von Puebla bewundern.

Die Landschaft wird wieder trockener und bergig.

Tehuacán ist eine präkolumbianische archäologische Stätte, die einst ein wichtiges religiöses und politisches Zentrum der Popoloca-Kultur war. Die Ruinen stammen aus der Zeit zwischen 600 und 900 n. Chr. und umfassen Tempel, Wohnstrukturen, Plazas und Pyramiden. Das Museum ist leider geschlossen, aber der Wächter lässt uns auf das Gelände fahren, so brauchen wir Lina nicht den Berg hoch zu schieben.



Wir sind fast die einzigen Besucher und können uns ganz in Ruhe umsehen.


Dank der freundlichen Leute können wir direkt vor dem Tempel parken.



Unser nächstes Ziel ist ein Stück weiter südlich die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats Oaxaca (gesprochen Oachaka 😉). Wir fahren durch bergige und trockene Landschaft.


Auch die Polizei hält sich, wie alle anderen auch, nicht an Überholverbote oder doppelt durchgezogene Linien. Überhaupt werden Geschwindigkeits-beschränkungen, Überholverbote und ähnliche Beschränkungen nur als gut gemeinte Ratschläge betrachtet.

Hier hat ein Erdrutsch die Fahrbahn verschüttet. Die „Umleitung“ wird auf mexikanische Art eingerichtet und es geht irgendwie weiter. 👍
Am Nachmittag erreichen wir dann Oaxaca und halten erstmal am Aussichtspunkt.

Unten in der Stadt finden wir an der Plaza Conzzati, einem kleinen Park in der Innenstadt, einen Stellplatz, parken Rocky und spazieren in‘s Zentrum. Vorher geben wir noch zwei leere Sodasteam Patronen bei ESTAFETA ab, um sie hoffentlich bald gefüllt wieder zurück zu bekommen. Nun aber ins Zentrum. Wir gucken an der Kirche „Santo Domingo de Guzmán“ vorbei.




Symbolischer Stammbaum der Dominikaner
Mit zunehmender Dämmerung wird es richtig gemütlich in der Stadt und auch das Eis schmeckt.



Am zentralen Platz, der „Plaza de la Constitución“ spielt eine Band und die Leute tanzen, sind fröhlich und genießen einfach den Abend.


Wir lassen uns treiben und möchten eigentlich gar nicht wieder hier weg.

Irgendwann wird es dann aber doch Zeit für uns nach Hause zu gehen. Rocky wartet schon auf uns, so fallen wir müde ist Bett.

Die Nacht war ruhiger als in der Innenstadt erwartet. So machen wir uns heute ausgeruht auf, um nochmal durch die Stadt zu schlendern. Am Tage ist hier eine andere, aber nicht weniger angenehme Stimmung zu spüren. Auch heute sind alle irgendwie entspannt, niemand hetzt durch die Straßen und alle haben scheinbar Zeit für ein kleines Schwätzchen. Wir gucken an der Kathedrale vorbei,

beobachten die Leute am zentralen Platz,

und bewundern die kleinen Gassen und Hinterhöfe.



Am Nachmittag fahren wir raus und mächtig bergauf, um „Monte Albán“ zu besichtigen. Die Stadt war das politische und kulturelle Zentrum der Zapoteken und wurde etwa 500 v. Chr. gegründet. Sie liegt auf einem künstlich abgeflachten Bergplateau und beeindruckt durch die Bauten und einem Ballspielplatz. Heute gehört Monte Albán zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist eine der bedeutendsten präkolumbischen Stätten Mexikos.

Wir sehen mächtige Bauwerke und 2000 Jahre alte Kunst.


Erstaunlich ist, dass wir auch hier wieder sehr wenig andere Menschen treffen.

Das vor 2000 Jahren mit reiner Muskelkraft abgeflachte Plateau ist gigantisch groß. Wir können uns kaum vorstellen, wie die Menschen so etwas zu dieser Zeit geschafft haben.

Neben den Bauten gibt es auch Sportanlagen wie Ballspielplätze. Alles war damals scheinbar mit kunstvoll gehauenen Steinplatten verziert.



Einige Fundstücke werden heute in einem kleinen Museum direkt bei der Anlage ausgestellt. Die „wertvolleren“ stehen in Museen in Europa. Wie sie dort hin gekommen sind, und wem sie eigentlich gehören sollten sich die Europäer mal selbst fragen.
Der Rückweg führt uns wieder durch das quirlige Oaxaca mit den vielen kleinen „Mototaxis“

Wir haben für heute genug gesehen und suchen den kleinen Campingplatz von Sabine und Stefan in Santa María del Tule auf, um dort die Nacht zu verbringen. Beim Abendbrot bekommen wir gleich Besuch von den Hunden der beiden Deutschen.


Beim Frühstück bekommen wir dann ganz anderen Besuch 😳
„Es ist so schön und entspannt hier, wollen wir nicht noch eine Nacht bleiben?“ So machen wir es auch und nutzen den Tag für kleine Reparaturen und Radrunden mit Lina.


Der Pazifik, eine Bootsfahrt und ab in die Berge
5.4. – 12.4.25
Uns zieht es wieder an die Küste. Auf dem Weg zum Pazifik sehen wir neben der Straße immer wieder kleine Staubwirbel, wir nennen sie nach einem Roman „Staubteufel“,

auch Buschbrände sind keine Seltenheit,

aber auch tolle grüne Landschaft fehlt nicht. 😉

Schließlich kommen wir zum Sonnenuntergang an der Playa El Tomatal an und finden einen Stellplatz direkt am Strand.


Guten Morgen! Der Kaffee ☕️ schmeckt bei dem Ausblick besonders gut! 😋

Die Südküste Méxicos entlang finden sich immer neue Warnschilder.
Die Straße führt durch trockene Gegend und immer wieder gleitet der Blick rüber zum Pazifik.


So biegen wir bei Santa Cruz Bamba rechts ab und hoppeln zur Playa Bamba. „Klar, hier vorn könnt ihr über Nacht stehen, wenn ihr Allrad habt“ sagen die Besitzer des Strandlokals. Dann kommen die Anfängerfehler: Clemens geht vorher nicht mal zu Fuß drüber und fühlt wie weich der Sand ist, und lässt auch den vollen Luftdruck in den Reifen. Einfach rückwärts rein in den tollen Strandplatz und schon sitzen wir fest. „Kein Problem, Untersetzung, Sperren und erster Gang rein und vorwärts raus“ denkt sich Clemens. Nach dem ersten Versuch dreht sich nichts mehr. Also Klappsparten, Sandbleche, Luft ablassen und schweißtreibende Arbeit. 🥵 Dann klappt es und wir fahren einfach zum Nachbarrestaurant. Auch ein schöner Stellplatz und ganz ohne Schaufeln. 🤪


Hier gibts erstmal kaltes Bier und kalte Cola. Und dieser Traumplatz ist dann auch noch kostenfrei. Dafür holen wir uns heute den Getränkenachschub vom Restaurant.
Heute Morgen gucken wir noch ein wenig am Stand rum.



Die Düne da hinten lassen wir, nach den gestrigen Erfahrungen, heute aus.

Wir verabschieden uns „erstmal“ vom Pazifik und fahren wieder in die Berge. In der Nähe von Tuxtla gibt es die „Cascada El Aguacero“ mit einer spektakulären steilen und kurvigen Anfahrt. Die Schranke vor dem Parkplatz ist leider schon zu, lässt sich aber von Hand öffnen. So haben wir erstmal einen guten und ruhigen Übernachtungsplatz und morgen werden wir uns zu Fuß auf den Weg zum Wasserfall machen. Angeblich sollen es 800 Stufen bis unten hin sein.
Nachdem wir den Parkplatz für letzte Nacht bezahlt haben gehen wir getrennt runter zum Wasserfall. Es sind übrigens 820 Stufen, die sich wirklich lohnen, aber mit Lina unmöglich zu schaffen sind. Auf dem Weg finden wir kleine Tropfsteinhöhlen,


und unten angekommen eine tolle Schlucht mit Wasserfall.


Der Weg wieder rauf zu Rocky ist zwar schweißtreibend, aber 5 km die Serpentinen bis zur befestigten Straße lassen Clemens auch noch mal schwitzen.
Unser nächster Stopp ist Chiapa de Corzo. Von dort starten die Boote auf dem Rio Grijalva durch die enge Sumidero Schlucht. Wir halten erstmal am zentralen Platz und gucken uns ein wenig um. Kaum ausgestiegen hören wir: „Wenn ihr einen ruhigen Stellplatz sucht, kommt zum Sportzentrum, da stehen wir auch“. Da wir scheinbar den fliegenden Händlern hier den Platz wegnehmen, fahren wir auch rüber und treffen unter anderem auch die Franzosen mit dem alten Bulli wieder, die wir schon auf der Baja zwei mal getroffen haben.

Daneben sind noch weitere Franzosen im LKW, ein Paar aus der Schweiz und eine Vanbesatzung aus Deutschland unsere Nachbarn.
Heute Morgen parkt ein Propan-Gas Tankwagen direkt neben uns. Clemens fragt mal nach und siehe da, wir können unseren Tank gleich hier auf dem Parkplatz füllen lassen.

Welch ein Service, aber beim Bezahlen müssen wir dann doch noch ein wenig Diskutieren. Die Tankuhr haben die beiden Propanfahrer schnell wieder auf „0“ gesetzt und möchten nun 42l abrechnen. Unsere Tankflasche hat aber nur ein Fassungsvermögen von insgesamt 21l!!! Nach einigem hin und her zahlen wir die geschätzten 15l und sind zufrieden. Nun aber machen wir uns erstmal auf zur Bootsfahrt durch die Sumidero Schlucht.



Mal wieder ändere Gesichter sehen.😉


Die Landschaft ist wirklich toll und Lina genießt vor allem die Bootsfahrt .

Im Nachhinein hat es sich wirklich gelohnt und morgen gucken wir uns das nochmal von oben an. Es gibt nämlich eine Straße durch den Nationalpark Cañón del Sumidero am oberen Rand der 13 km langen Schlucht entlang. Die Felswände sind an der höchsten Stelle 1.200 m hoch. Neben den Krokodilen, Spinnenaffen, Pelikanen und Reihern, die wir gesehen haben soll es hier noch Ozelots, Weißschwanzhirsche und Gürteltiere geben.
Auch der Blick am Mirador La Coyota in die Schlucht kann einem den Atem nehmen.

Der Canyon ist ein Symbol für den Bundesstaat Chiapas und erscheint sogar im Wappen.
Wir fahren heute noch hoch in die Berge. Von Tuxtla nach San Cristóbal (auf 2300 m) sind es bestimmt 1800 m Höhenunterschied und gefühlt mindestens 15°C kühler. Hier fühlen wir uns wohl und beziehen einen Campingplatz mit nettem Aufenthaltsraum, Kamin, Küche und sogar einem Billardtisch.



Da nun die Osterwoche, die „Semana Santa“, beginnt, und hier die „heilige Woche“ festlich begangen wird, wollen wir bis nach Karfreitag hier bleiben, ein wenig Tageskram erledigen, San Cristóbal ansehen und natürlich die Prozessionen besuchen.
Semana Santa
13.4. –
Wir können die Innenstadt fußläufig erreichen und genießen die feierliche Atmosphäre.

Die Stadt ist geschmückt und auch für Lina gibt es Überraschungen!



Wir schlendern über die Märkte, entdecken in den privaten Häusern kleine liebevoll geschmückte Altäre und treffen auch noch auf „Gandalf“.




Wir machen einen Ausflug in die Umgebung und landen in Chamula. Das Dorf ist bekannt für eine einzigartige Mischung aus katholischen und traditionellen Maya-Glaubenspraktiken sowie für ihre starke kulturelle Autonomie.

Die Kirche San Juan Bautista ist das Zentrum der Gemeinde und etwas „besonders“.


Leider ist das Fotografieren in der Kirche streng verboten. Drinnen gibt es keine Bänke oder Stühle, die Menschen sitzen in Gruppen auf dem Fußboden und zünden unglaublich viele Kerzen an, beten und manche machen einen völlig abwesenden Eindruck. Sabine geht ganz nach vorn zum Altar und erlebt die Opferung eines Hahns live mit. Tieropfer in einer katholischen Kirche haben wir noch nie erlebt. Einfach krass. 😳
Etwas geschockt verlassen wir den Ort wieder und gucken uns in Christóbal die Prozession am Karfreitag an. Auch das ist für uns etwas „besonders“. Der Jesus-Darsteller schleppt das Kreuz quer durch die Straßen der Stadt und wird dabei von den „römischen Soldaten“ heftig verprügelt.




Das ganze ist schon sehr berührend und am Abend gibt es dann noch eine weitere Prozession mit dem „Leichnam“.


An Ostersamstag haben wir endgültig genug von vorösterlichen Ritualen und verlassen San Cristóbal wieder.