Festland Mexico, die Berge

Das „richtige“ México, die Barrancas del Cobre und die Tarahumara

26.2. – 4.3.2025

Die gestrige Überfahrt mit der Fähre von La Paz nach Topolobampo war entspannt. Zu unserer Überraschung gab es kurz vor der Abfahrt sogar ein im Preis enthaltenes warmes Mittagessen und später noch Kaffee und ein Stückchen Kuchen. Wir haben uns eine Kabine gebucht, konnten uns so ein wenig Ruhe gönnen und sogar ausgiebig duschen. Nach der Ankunft um 21:00 Uhr (eine halbe Stunde früher als geplant!!!) sind wir im Dunkeln zum nächsten Strand gefahren und haben den anstrengenden Tag schnell beendet.

Heute Morgen können wir sehen, wo wir gelandet sind.

Wir wollen zur Barrancas del Cobre, einem verzweigten Schluchtensystem in der Sierra Mardre. Der direkte Weg führt über 500 km durch die Berge, davon ist ein nicht kleiner Teil unbefestigt und nur schwer zu befahren. Gemeinsam mit Uwe beschließen wir den etwas längeren, aber asphaltierten Weg im Norden zu nehmen. So liegen mindestens zwei Fahrtage vor uns. Wir lernen das Mautsystem in México kennen (nur Barzahlung), werden durch die Militärkontrolle durch gewunken und meistern auch den Kontrollpunkt für Obst und Gemüse an der Grenze der Bundesstaaten Sinaloa und Sonora. Abends landen wir auf einem kleinen hübschen Campingplatz in der Nähe von Obregón.

Weiter durch die Sierra Mardre bekommen wir heute schon mal einen Vorgeschmack auf das Schluchtensystem.

Am Cascada Basaseachi, dem zweithöchsten Wasserfall in México machen wir heute Schluss mit fahren. Da der Weg vom Parkplatz, auf dem wir übernachten wollen, zum Wasserfall für Lina zu weit ist, geht Clemens erstmal allein. Über einen teilweise steilen Weg und eine Hängebrücke geht’s zum Fall.

Der Wasserfall selbst ist, nun am Ende der Trockenzeit, eher ein Plätschern, aber die Höhe ist schon imposant.

Sabine und Uwe gehen, nach einer total ruhigen Nacht, erst heute Morgen runter.

Dann fahren wir weiter durch Creel

und erreichen am Nachmittag den Parque National Barrancas del Cobre.

Die wenig bekannten Schluchten hier im Norden von México sind tiefer als der berühmte Grand Canyon in den USA und bedecken eine Fläche die so etwa vier mal so groß ist. Ein unvorstellbar großes Gebiet, das fast ausschließlich von den Tarahumara besiedelt ist. Die Einheimischen betreiben in den Schluchten ein wenig Ackerbau und halten Vieh. Die Frauen verdienen Geld mit handgemachten Körben und Schmuck den sie an kleinen Ständen verkaufen.

Wir nutzen die Seilbahn, die über 3000 m ohne Stützpfeiler hinab in die Schlucht fährt.

Die Ausblicke sind einfach nur TOLL

Irgendwie befremdlich ist der Gegensatz von Tradition und Moderne.

Mit gemischten Gefühlen fahren wir dann wieder rauf zur Abbruchkante.

Zurück auf dem Hochplateau haben wir Hunger und gönnen uns frisch gemachte Tacos. Die Küche besteht aus einem alten Fass auf dem ein Blech montiert ist. Das Ofenrohr geht einfach durch das Dach.

In Deutschland würde hier das Gesundheitsamt, die Gewerbeaufsicht, die Feuerwehr und wer weiß noch alles einschreiten um dieses „Treiben“ zu unterbinden. Hier finden wir solche Küchen an vielen Straßenrändern und wir suchen uns immer die aus, die von Einheimischen gut besucht sind.

Bei diesem Blick aus der Schiebetür bleiben wir auch noch eine zweite Nacht. Gestern hatten wir den Wächter hier gefragt ob wir über Nacht hier bleiben dürfen. „Ja natürlich“ war seine Antwort, „aber ab acht Uhr Abends schließe ich das Tor. Dann könnt ihr nicht mehr raus. Kostenlos, mitten im Nationalpark und keine 200 m von der Seilbahn entfernt übernachten wir hier an der Abbruchkante und genießen den Ausblick.

Natürlich sind die Streuner auch wieder da…

Den hätte Clemens am liebsten mitgenommen.
Das Abendrot verspricht für morgen schönes Wetter

Heute machen wir uns dann doch wieder auf den Weg, halten aber gleich wieder am Aussichtspunkt Divisadero. Hier hält auch der „Chepe“, ein Zug der die Sierra Mardre von Los Mochis bis Chihuahua durchquert. Nun ist der Bahnhof aber leer und wir sind hier fast allein.

Der nächste Zwischenstopp ist am Lake Arareco. Hier gibt es einen schönen Ausblick,

einen Elefantenfelsen und lecker Gorditas (kleine gefüllte Tortillataschen) 😋. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Clemens die mexikanische Küche liebt 😉.

Nicht weit entfernt stoppen wir in Cusárare, einem kleinen Dorf mit alter Misión.

Ein netter Herr zeigt uns die Kirche und alte Schätze in der Sakristei.

Heute ist Sonntag, und das gesamte Dorf scheint sich versammelt zu haben. Uns fallen hauptsächlich die Frauen in den traditionellen Kleidern auf.

Sabine kauft noch frisches Obst und dann verlassen wir das Dorf auf der „Hauptstraße“.

Wir kommen heute noch bis Guachochi und übernachten auf einem RV Park. Die Stadt hat irgendwie nicht viel zu bieten, obwohl es ein „Poeblo Magico“ sein soll. Wir finden die schönen Ecken hier jedenfalls nicht.

Ein Kühlerschlauch, ein Revulotionsheld, ein Westernheld und viele freundliche Mexikaner

4.3. – 9.3.2025

Wir verlassen Guachochi heute mit dem Ziel Parral. 3/4 der Strecke ist geschafft, da gehen plötzlich mehrere Warnleuchten an und die Meldung „Kühlwasser Stand / Motor sofort abschalten“ erscheint. Der erste Gedanke: „Das Provisorium hat nicht gehalten“. Aber weit gefehlt, der Vorlaufschlauch am Kühler ist rausgerutscht und binnen Sekunden hat Rocky das gesamte Kühlwasser ausgespuckt.

Die Reparatur dauert ein wenig, da die Schutzplatte unter dem Motor erst entfernt werden muss. Dann „WARMES“ Wasser auffüllen und hoffen dass der Schlauch hält. Weiter geht es nach Parral.

In der Stadt treffen wir auf eine Gruppe kleiner Steinewerfer,

Sabine freundet sich gleich mit einem an. 😉

Es gibt nette Gassen, seeeeehr alte Autos und, ganz klar, auch ein Eis. (Oma’s Eisgeld will schließlich auch aufgebraucht werden 😊)

Die Polizei spricht uns am zentralen Platz an und fragt, ob sie etwas für uns tun können. „Im Moment nicht, wir kommen klar und wollen auch nicht über die Straße geleitet werden“. Als er ein drittes mal fragt kommt uns die Idee, er könnte ja ein Foto von uns dreien machen. So geschieht es auch und er ist zufrieden, dass er drei Touristen aus Deutschland geholfen hat. 🤷‍♂️

Im Rathaus sind Wandbilder mit Motiven aus der Stadtgeschichte zu sehen und natürlich glänzt auch hier die Kirche.

Nach zwei Tagen ziehen wir weiter nach Süden. Unser nächstes Ziel ist Durango. In der Nähe sollen so einige alte Western gedreht worden sein. Wir sind ganz gespannt auf die Landschaft und die Filmkulissen, die zu besichtigen sind. Auf dem Weg sehen wir echt mexikanisches, ein Gaucho der von der Arbeit kommt und reale Straßen.

Einen Zwischenstopp zum Übernachten legen wir in Canutillo ein, wo der mexikanische Revolutionsheld Francisco (Pancho) Villa auf seiner von der Regierung geschenkten Hacienda seine letzten Jahre verbracht hat. Er wurde dann, vermutlich im Auftrag eben dieser Regierung, in Parral ermordet. Was lernen wir daraus? – „Traue keiner Regierung, die dir etwas schenkt.“ 😉

Heute beherbergen die Gebäude ein kleines Museum und das Dorf, das er für die Angestellten gebaut hat macht einen eher trostlosen Eindruck. Zu Lebzeiten von Villa hat er Unterkünfte und eine Schule bauen lassen, um die Leute zu unterstützen.

Nach einem Rundgang auch durch die Kirche, die für uns extra geöffnet und beleuchtet wird, fahren wir weiter und nach nur 3 km ist der Kühlerschlauch abermals raus. Also wieder alles auseinander bauen, Schlauch anschließen, (und dieses mal biegt Clemens die Haltespange etwas nach, denn auch in seinem hohen Alter ist er nicht frei von Erkenntnisgewinn 🤪) und alles wieder zusammen bauen. Kühlwasser auffüllen und weiter geht’s. Die Landschaft wird hügeliger und erinnert uns tatsächlich ein wenig an Western Filme. John Wayne könnte hinter der nächsten Kurve auftauchen uns von seinem Pferd auf uns herunter lächeln…

Wir übernachten noch am Geburtshaus von Villa (ist wirklich Zufall und war nicht geplant),

und erreichen heute (7.3.) Durango. Erstmal fahren wir zu VW, um eine neue Spange für den geliebten Kühlerschlauch zu kaufen. Clemens sucht sich alle erdenklichen Kennzahlen, wie Baujahr, Motorkennbuchstaben, Leistung, Bautype… raus um das benötigte Ersatzteil zu beschreiben und geht in die Vertragswerkstatt. Die fragen nur nach der Fahrgestellnummer, geben die ins System ein und haben alle Daten von Rocky abrufbar. Clemens kann es nicht glauben😳😳😳, da fährt man durch Canada und die USA, dort kennen sie keinen Crafter und können auch bei VW nichts mit der Fahrgestellnummer anfangen, und hier in México haben sie unser Auto mit allen Ausstattungen im System!

Die Spange mit der Nummer 2 brauchen wir!

Leider haben sie das Teil nicht auf Lager, besorgen es aber innerhalb von 3 Werktagen, Mittwoch Vormittag soll es da sein. Nun gut, dann können wir uns Durango und Umgegend in Ruhe ansehen.

Zuerst tun wir was gegen den Hunger. Seit wir durch México reisen haben wir viele einheimische Speisen ausprobiert. Von Garnelen in Tacos über Steak-Tortas bis zu Tortillas mit Kaktus gefüllt. Bisher war alles lecker und, wenn man bei der Bestellung drauf achtet, auch nicht zu scharf. Auch die Quesadillas hier sind lecker und preiswert. Zudem gibt es noch mexikanische Livemusik und der Laden ist voll von Einheimischen, oft ein gutes Zeichen.

Danach schlendern wir gut gesättigt durch die Stadt und genießen die entspannte Atmosphäre und das bunte Leben.

Durango begeistert uns richtig, alles scheint hier locker und entspannt zu laufen. Selbst der Mann, der auf dem Parkplatz am Parque Guadiana Autos wäscht, und wahrscheinlich nicht zu den bestbezahlten gehört, singt laut und fröhlich bei der Arbeit. Hier verbringen wir unsere erste Nacht und fühlen uns absolut sicher.

Heute machen wir noch einige Besorgungen, und auf dem Supermarkt Parkplatz fällt uns der kleine blaue Bulli mit Campingausbau auf. Liebevoll gepflegt und bestens in Schuss, der Kleine aus Hannover👍.

Für die nächste Nacht fahren wir raus und treffen uns mit Uwe in einem kleinen Seitental. Einsam und einfach hübsch gelegen. Ein Traum für entspannte Träumchen.😴

Nach dieser ruhigen Nacht wollen wir uns die Westernkulissen in der Nähe ansehen. Auf dem Weg treiben Gauchos ihre Rinder über die Straße.

Am „Set“ angekommen schlendern wir noch ein wenig durch die „Straßen“ und suchen uns dann einen guten Platz gegenüber der „Bank“ die in der Show ausgeraubt werden soll.

Dann geht es auch schon los, leider sind die Dialoge auf Spanisch. So verstehen wir nicht viel, ist aber nicht so schlimm, da die Handlung aus vielen Western sich ja grundsätzlich ähnelt.

Dann gibt es eine unerwartete Änderung und Clemens wird aus dem Publikum geholt uns soll mitspielen.

Nach kurzer Einweisung und sparsamer Kostümierung, den entsprechenden Hut hat er ja bereits auf, geht es auch schon los. Er darf sich von einem Apachen verprügeln lassen.

Immerhin kann er behaupten im gleichen Set wie John Wayne vor der Kamera gestanden (oder gelegen) zu haben 💪. Nachdem er sich wieder erholt hat wird er zu guter Letzt auch noch erschossen.

Nun ja, immerhin gibt es ein Erinnerungsfoto mit dem „Bankräuber“ und „Gage“ aus dem Bankraub und Lina darf noch durch die „Stadt“ reiten.

Neben der Mainstreet gibt es auch ein Indianer Dorf und ein mexikanisches Dorf.

Ein schöner Tag geht zu Ende, wir fahren zurück nach Durango.

Ersatzteile, Azteken und Tequila

10.3. – 14.3.25

Wir müssen ja noch auf das Ersatzteil warten und so buchen wir schon mal eine Führung auf einer Destillerie in Tequila. Ja, genau so wie das Getränk heißt auch der Ort wo es herkommt, – äh oder umgekehrt -. Da wir einen Tipp bekommen haben, dass an jedem dritten Samstag im März in Tequila das gleichnamige Fest gefeiert wird, buchen wir für dieses Datum auf der kleinen privaten Destillerie auch gleich Stellplätze für zwei Nächte.

Ansonsten erkunden wir Durango mit dem Fahrrad, Rocky bekommt getönte Folie gegen die Sonne auf die Scheiben und eine Änderung des Überlaufs vom Wassertank und wir gehen noch ausgiebig einkaufen.

Auch solche Tage gibt es auf Reisen. Nicht jeder Tag bringt spektakuläre Aussichten, Eindrücke oder Erlebnisse. Aber heute soll die Haltespange für den Kühlerschlauch da sein und wir können sie abholen. Bei VW erleben wir dann gleich wieder eine Überraschung, die Spange ist da und wir bekommen sie geschenkt. Der freundliche Lagermitarbeiter erkennt Clemens sofort, holt die Spange aus dem Lager und drückt sie ihm in die Hand. Er gibt noch Tipps zum Einbau und wünscht eine gute Fahrt. Wir überlegen lange, ob uns das in Deutschland auch passiert wäre… Das heutige Ziel ist der Pazifik, wir wollen erstmal die 400 Richtung Mazatlán und dann noch ein Stück südlich an der Küste runter fahren.

Die Landschaft ist erst flach und trocken,

wird dann aber bergiger und auch grüner.

Auf der Mautstraße kommen wir gut voran, an einer Baustelle kommt uns dann mal wieder eine Streife entgegen. Das Außenthermometer lässt uns dankbar an die Klimaanlage denken. 🥵

Am Pazifik angekommen suchen wir uns einen freien Stellplatz am Strand von Playa Novillero. Hier am Wasser ist es angenehm kühl und wir gucken uns ein Restaurant aus, wo es leckeres Abendessen gibt.

Sabines Fisch war etwas überraschend, aber sie hat ihn genossen. Anschließend relaxen wir, spazieren am Wasser entlang und beobachten den Sonnenuntergang im Meer.

Bevor wir heute weiter fahren beobachten wir beim Frühstück noch die Fischer, die mit ihren Booten zurück kommen und den Fang der Nacht ausladen.

Heute wollen wir Mexcaltitán de Uribe besuchen. Eine kleine Stadt auf einer „künstlichen“ Insel. Manche Historiker sind der Auffassung, dass dies die „Geburtsstadt“ der Azteken ist und sie von dort ihr Reich aufgebaut haben. Da eine Insel ohne Brücke nur mit dem Boot erreichbar ist (schlauer Satz 😇) mieten wir uns am Ende der Zufahrtsstraße ein Wassertaxi. Die Bootsfahrt führt durch regelrechte Kanäle in den Mangroven.

So können wir die Vögel am „Weg“ beobachten bevor wir ankommen.

Wir schlendern gemütlich durch die autofreien Straßen, bewundern die tollen Wandbilder und genießen die Ruhe der Stadt. Gefühlt sind wir die einzigen Touristen hier.

Viele Straßen haben erhöhte Gehwege, da in der Regenzeit der Wasserstand steigt und die Straßen dann zu Kanälen werden.

Nachdem wir uns mit der lokalen Spezialität Albondigas Camarones (Krabbenbällchen) gestärkt haben (die haben uns nicht wirklich umgehauen), gehen wir zurück zum Anleger, wo unser Chauffeur auf uns gewartet hat, und lassen uns zurück zu Rocky schaukeln. Dort angekommen fahren wir weiter nach Tepic.

Auf dem Weg bewundern wir noch die Transportmöglichkeiten für das Material zum Dachdecken.

Der RV-Park in Tepic „versteckt“ sich hinter einer Ladenzeile. Wir müssen im Dunkeln ein wenig suchen…

Heute Morgen bei der Abfahrt von dem überraschend ruhigen Stellplatz in der Stadt, müssen wir noch unbedingt ein Foto von der Einfahrt machen. 😳

Rocky parken wir in einer Seitenstraße, erkunden die Stadt.

Dann kauft Sabine noch ein wenig frisches Obst ein.

Unser nächste Ziel ist dann Tequila.

Auf dem Weg sehen wir immer wieder kleinere uns auch größere Buschbrände. Am Ende der Trockenzeit gehört das hier scheinbar zum täglichen Leben.

Wir haben ja bereits (etwas ungewohnt für uns) einen Stellplatz und die Führung in der Destillerie gebucht. So kommen wir am Freitag Nachmittag an,

Parken auf dem Gelände der Destillerie Puntual und freuen uns auf das Fest und die Führung morgen. Für heute ist Feierabend! 💤

Zum Fest in Tequila bis Mexico Stadt